Karnevalstraditionen in Deutschland

Rheinischer Karneval


Ob Sie es nun Karneval, Fastelovend, Fastnacht oder Fasching nennen – diese Bräuche, mit denen wir die Zeit vor der sechswöchigen Fastenzeit bis Ostern feiern, haben regional teils recht unterschiedliche Ausprägungen. Wie sehen die Ursprünge und Unterschiede der Karnevalstraditionen aus?

Ursprünge der Fastnacht

Bereits für frühe Hochkulturen lassen sich Feste mit Maskierungen und ritualisierter Ausgelassenheit, die meist mit dem Erwachen der Natur im Frühling in Zusammenhang stehen, nachweisen. Auch Kelten und Germanen feierten wild, um böse Wintergeister zu vertreiben. Dass hierin der Ursprung des heutigen Karnevals zu sehen ist, bezweifelt die aktuelle Forschung jedoch. So geht man gegenwärtig davon aus, dass im Frühmittelalter über mehrere Jahrhunderte keine ähnlich gelagerten Feste stattfanden, sondern sich diese erst im Hoch- und Spätmittelalter mit der Fastenzeit entwickelten: Im 12. Jahrhundert rief der Papst eine Fastenzeit vor Ostern aus – für ganz Mitteleuropa sind spätestens im folgenden Jahrhundert Veranstaltungen nachgewiesen, die es zum Ziel hatten, die verderblichen Lebensmittel vor Beginn dieser vorösterlichen Fastenzeit aufzubrauchen. Zur ausgiebigen Völlerei kamen ab dem 14. Jahrhundert Tänze, Umzüge und Verkleidungsspiele hinzu. Das führte mitunter zu Fastnachts-Exzessen, die Obrigkeit und Kirche gar nicht gefielen – aus dem Spätmittelalter und der Frühen Neuzeit existieren zahlreiche Belege für Einschränkungen und Verbote des ausschweifend-anarchischen Treibens.

Karnevalshochburgen in Deutschland

Obwohl mittlerweile über weite Teile Deutschlands verbreitet, sind die beiden großen (und gegensätzlichsten) Karnevalshochburgen in Deutschland Köln und das Rheinland (mit Rheinhessen und Mainz) sowie Baden-Württemberg mit der schwäbisch-alemannischen Fastnacht. Zudem existieren weitere Karnevalshochburgen wie etwa das Münsterland oder die fränkische Region um Würzburg.

Kölner Karneval

Der Kölner Karneval gehört zu den weltweit größten und bekanntesten Volksfesten. In seiner heutigen Form geht er auf das Jahr 1823 zurück, als sich das Festkomitee des Kölner Karnevals gründete. Nach teils rigorosen Verboten durch die französischen Besatzer und die ihnen ab 1815 folgenden Preußen machte man es sich damals zum Ziel, den nahezu ausgestorbenen Straßenkarneval wiederzubeleben und in geordnete Bahnen mit ebensolchen Umzügen zu lenken. So sollte auch bürgerlichen Schichten eine angemessene Teilhabe am jecken Treiben ermöglicht werden. Das Festkomitee ersann damals den Rosenmontagszug und mit dem „Held Karneval“, dem Vorläufer des Prinz Karneval, zudem eine heute im gesamten rheinischen Karneval und darüber hinaus etablierte Figur. Als eine zentrale Komponente des närrischen rheinischen Treibens hat sich die Verballhornung der jeweiligen Obrigkeit herausgebildet – so sind etwa die Uniformen der Karnevalsgarden eine Persiflage auf strammes preußisches Soldatentum. Paradoxerweise entwickelten sie sich ihrerseits schnell zu Statussymbolen.

Warum die Elf?

Die Karnevalssession oder auch „fünfte Jahreszeit“ wird in den rheinischen Gebieten traditionell am Elften im Elften um 11:11 Uhr eröffnet. Die Aktivitäten steigern sich nach und nach, bis dann am Donnerstag vor Aschermittwoch, an Weiberfastnacht, der sechstägige Straßenkarneval mit seinem Höhepunkt am Rosenmontag eröffnet wird – natürlich ebenfalls wieder um 11:11 Uhr. Warum aber wurde ausgerechnet die Elf zur närrischen Zahl? Die Elf gilt religiös-symbolisch seit jeher als Zahl der Maßlosigkeit und der Sünde. Im Mittelalter brandmarkte sie alle, die außerhalb der Sittengesetze standen. Die Elf überschritt nicht nur das, was mittels der zehn Finger menschlicher Hände, sondern auch in den von Gott gegebenen Zehn Geboten fassbar war.

Mainzer Fassenacht

Wenngleich die Mainzer Fassenacht dem rheinischen Karneval zugerechnet wird und deutlich vom organisierten Kölner Karneval ab 1823 inspiriert ist, sollen einige kleine, aber feine Unterschiede nicht unerwähnt bleiben. Der augenscheinlichste dürfte der Narrenruf sein: In Mainz brüllen sie „Helau“ statt des in Köln gebräuchlichen „Alaaf“ – das wurde erst im Jahr 1935 aus Düsseldorf importiert. Auch wenn man sich also durchaus offen für Neues zeigt, wird an anderer Stelle besonderes Augenmerk auf die Traditionen gelegt: So pflegt man in Mainz die politisch-literarische Komponente der Fastnacht, hat sich der Kunst des scharfen politischen Büttenvortrags verschrieben – statt der im Rheinland eher milden „Kokolores“-Bütt.
 

Schwäbisch-alemannische Fastnacht


Schwäbisch-alemannische Fastnacht

Bei der sogenannten schwäbisch-alemannische Fastnacht im südwestdeutschen Raum haben sich Formen der mittelalterlichen Fastnacht erhalten, wie sie vor der Kölner Vereinsgründung 1823 bestanden. Während sich der „neue“ Karneval rheinischer Prägung in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts rasch in Mitteleuropa etablierte, existierte die ursprüngliche, auf den mittelalterlichen Wurzeln fußende Fastnacht in Südwestdeutschland zwar parallel dazu weiter. Sie wurde jedoch bis kurz vor das vollständige Verschwinden zurückgedrängt. Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts erfolgte eine allmähliche Rückbesinnung auf mittelalterliche Bräuche; Narrenzünfte alter Prägung wurden neu gegründet. Dadurch ist uns das zentrale Charakteristikum der schwäbisch-alemannische Fastnacht glücklicherweise bis heute erhalten geblieben: die Vermummung der Teilnehmer mit meist aus Holz gefertigten Masken (sogenannten „Larven“ oder auch „Schemen“). Eine Besonderheit besteht darin, dass die Kostüme nicht von Jahr zu Jahr gewechselt, sondern von den Trägern immer beibehalten werden. Teilweise werden sie sogar an nachfolgende Generationen vererbt. Die ältesten Fastnachten findet man heute etwa in Elzach, Konstanz, Rottenburg am Neckar, Rottweil oder Villingen.

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